Warum die Reihenfolge über den Aufwand entscheidet
Eine Haushaltsauflösung scheitert selten an der Kraft und fast immer an der Zahl der Entscheidungen. Vor jedem Gegenstand steht dieselbe Frage, und wer sie fünfhundert Mal hintereinander beantworten muss, beantwortet sie irgendwann nach Gefühl. Deshalb zerlegen wir die Arbeit in Durchgänge, die jeweils nur eine Art von Gegenstand betreffen. In einem Durchgang, in dem es ausschließlich um Papier geht, öffnen Sie keine Kleiderschränke und tragen Sie nichts.
Die Reihenfolge folgt dem Schaden, den ein Fehler anrichtet. Ein weggeworfener Ordner kann Wochen an Nachforschung kosten und im schlimmsten Fall einen Anspruch. Eine weggeworfene Vase kostet den Wert der Vase. Was sich nicht wiederbeschaffen lässt, kommt deshalb zuerst an die Reihe, das Sperrige, das ohnehin niemand übersieht, zuletzt.
Praktisch brauchen Sie zu Beginn keinen Container und keine Helfer, sondern einen leergeräumten Tisch, sechs beschriftete Kisten und ein paar ungestörte Stunden. Behalten, prüfen, verkaufen, spenden, entsorgen, strittig. Die sechste Kiste ist die wichtigste, weil sie den Streit vertagt, statt ihn im Flur auszutragen.
Durchgang eins: Papiere, Unterlagen, Schlüssel
Papier wiegt wenig und ist der einzige Teil des Haushalts, der nach der Räumung noch gebraucht wird. Tragen Sie zuerst alles Schriftliche an einer Stelle zusammen, ungeöffnet und ungeordnet: Schreibtisch, Küchenschublade, Nachttisch, Aktenordner, die Blechdose auf dem Schrank, der Umschlag hinter dem Fernseher. Sortiert wird erst, wenn nichts mehr dazukommt.
Danach gehen Sie den Stapel einmal durch. Alles mit Vertragsnummer, Kontonummer, Stempel oder Siegel bleibt liegen. Werbung, alte Kataloge und Kontoauszüge ohne offenen Vorgang dürfen weg. Im Zweifel behalten Sie das Blatt: ein Ordner mehr im Regal ist billiger als eine Anfrage bei einer Stelle, die selbst nichts mehr findet.
Diese Unterlagen bleiben, bis jemand sie ausdrücklich freigibt
- Miet-, Kauf- und Pachtverträge samt Übergabeprotokollen und Nebenkostenabrechnungen
- Versicherungsunterlagen, auch zu gekündigten Verträgen, und Schriftwechsel zu offenen Schäden
- Renten- und Sozialversicherungsunterlagen, Arbeitszeugnisse, Nachweise über Beitragszeiten
- Grundbuchauszüge, Erbbaurechtsverträge, Testamente, Vollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen
- Steuerbescheide und Belege, solange Fristen laufen oder ein Nachlass noch nicht abgewickelt ist
- Garantie- und Kaufbelege für Geräte, die weiterverkauft, verschenkt oder mitgenommen werden
- Sämtliche Schlüssel samt Anhängern und Zetteln, auch die ohne erkennbares Schloss
Durchgang zwei: Wertsachen und die üblichen Verstecke
Wertsachen liegen in lange bewohnten Haushalten selten im Schmuckkästchen. Sie liegen in Manteltaschen, zwischen Bettwäsche, in Zuckerdosen, in ausgehöhlten Buchrücken, hinter Schubladen, die sich nicht ganz herausziehen lassen. Bevor ein Möbelstück das Haus verlässt, wird es leergeräumt und einmal gekippt. Das gilt auch für Polstermöbel, deren Bezug sich an der Unterseite öffnen lässt.
Betroffen sind vor allem Sparbücher, Bargeld, Münzen, Schmuck, Uhren, Orden und alte Ausweise. Auch scheinbar Wertloses zählt hierher: beschriftete Fotoalben, Feldpost, Urkunden, Zeugnisse. Diese Dinge lassen sich nicht ersetzen, und eine Räumkolonne kann sie in der Menge nicht von Altpapier unterscheiden. Wer sie vorher herausnimmt, nimmt dem Räumtag seine einzige wirklich unumkehrbare Stelle.
In dieselbe Runde gehört alles, was Batterien enthält, und alles, was flüssig ist. Farben, Lacke, Verdünner, Spiritus, Pflanzenschutzmittel, alte Medikamente und Leuchtstoffröhren dürfen nicht in den gemischten Hausrat. Bleiben sie drin, werden sie am Räumtag herausgeklaubt und gesondert abgegeben, und diese Arbeitszeit steht am Ende auf der Rechnung.
Durchgang drei: Textilien, Geschirr, Kleinkram
Jetzt erst öffnen Sie die Schränke. Textilien und Geschirr sind mengenmäßig der größte Block und zugleich der, bei dem die Entscheidungen leichtfallen, sobald die ersten beiden Durchgänge erledigt sind. Arbeiten Sie raumweise und nicht schrankweise, sonst verlieren Sie den Überblick darüber, was schon durch ist.
Gut erhaltene Kleidung, Bettwäsche und Handtücher nehmen Kleiderkammern und soziale Einrichtungen an, allerdings nur sauber und trocken und in geschlossenen Beuteln. Geschirr, Besteck und kleine Küchengeräte gehen an Sozialkaufhäuser, sofern sie vollständig und funktionsfähig sind. Was Flecken, Löcher oder Risse hat, kommt in den Hausrat; an dieser Stelle hilft kein Optimismus, sondern kostet nur einen zweiten Transport.
Bücher sind der häufigste Irrtum. Ganze Regale lassen sich fast nie verkaufen, einzelne Bände dagegen durchaus: Erstausgaben, Fachbücher, illustrierte Bände, alte Landkarten und regionale Titel finden Abnehmer. Für den Rest ist ein öffentlicher Bücherschrank oder eine Kiste vor der Haustür die schnellste Lösung, und das Papier ist zugleich der Teil, der am meisten Kubikmeter frisst.
Durchgang vier: die Möbel
Möbel kommen zuletzt, weil sie bis dahin als Ablage und Zwischenlager gebraucht werden. Erst wenn alles Kleinteilige entschieden ist, lässt sich sagen, welches Stück wirklich mitgeht, welches verkauft wird und welches auf den Wagen kommt. Vorher stellt sich die Frage zu früh und wird zweimal beantwortet.
Nachfrage haben vor allem Massivholzmöbel, Nähmaschinen mit Gusstisch, Kommoden mit sauberem Furnier und Stücke aus den fünfziger bis siebziger Jahren mit klaren Linien. Pressspanschränke, Polstergarnituren mit Gebrauchsspuren und Wohnzimmerwände mit Glasvitrine finden dagegen kaum Abnehmer, auch geschenkt nicht. Wer darauf wartet, verliert Zeit, die als Miete weiterläuft.
Wer verkaufen will, sollte den Aufwand ehrlich ansetzen. Ein Verkauf über Kleinanzeigen dauert erfahrungsgemäß Wochen, jede Abholung muss begleitet werden, und die Hälfte der Termine platzt. Steht der Räumungstermin in zehn Tagen, ist es ruhiger, gleich zu räumen und die Verwertung uns zu überlassen. Brauchbares landet dann nicht im Container, sondern wird angerechnet, und der Abzug erscheint als eigener Posten im Angebot.
Wenn mehrere Erben mitreden
Sobald zwei oder mehr Personen entscheiden dürfen, ändert sich die Aufgabe. Nicht der Hausrat ist dann das Problem, sondern das Verfahren. Bewährt hat sich, Sortieren und Verteilen strikt zu trennen: erst wird der gesamte Haushalt in die sechs Kisten gebracht, und erst danach wird über den Inhalt der Kiste für Strittiges gesprochen. Wer beides gleichzeitig versucht, diskutiert vier Stunden über ein Kaffeeservice und hat abends nichts geräumt.
Fotografieren Sie strittige Stücke, bevor irgendetwas bewegt wird, und stellen Sie sie an einer Stelle zusammen. Eine Liste mit Bildern lässt sich am Telefon besprechen, ein halb geräumtes Wohnzimmer nicht. Wer weiter weg wohnt, kann so mitentscheiden, ohne für jede Frage anzureisen.
Für die Verteilung selbst genügt ein einfacher Wechsel: Die Reihenfolge wird ausgelost, dann benennt jede Partei reihum ein Stück, bis nichts mehr übrig ist. Das Verfahren wirkt kleinlich und beendet die Sache trotzdem in einer Stunde statt in einem Sommer. Was danach übrig bleibt, geht in den Verkauf oder in die Räumung.
Denken Sie den zeitlichen Rahmen mit. Solange die Wohnung gemietet ist, läuft Miete, und jede vertagte Woche kostet mehr als der halbe Hausrat wert ist. Wir legen den Räumtermin deshalb gern so, dass die Familie vorher noch ein Wochenende allein in der Wohnung hat. Diesen Teil möchte fast niemand abgeben, und das ist gut so.
Erinnerungsstücke und die Grenze, die hilft
Der Satz, das könne doch weg, hilft im Trauerfall selten. Erinnerungsstücke belegen wenig Platz, wenn ihre Menge vorher festgelegt wird: eine Kiste je Person, mehr nicht. Innerhalb dieser Kiste redet niemand mit, und genau das macht die Regel erträglich. Ohne Grenze wandert der halbe Haushalt in die Garage der Angehörigen und wird dort in fünf Jahren ein zweites Mal sortiert.
Für Sperriges, an dem viel hängt, gibt es Zwischenwege. Ein Sessel lässt sich fotografieren, statt ihn zu behalten; aus einem Kleid wird ein Kissenbezug; von einer Schrankwand bleibt eine einzelne Tür mit dem eingeritzten Datum. Und wenn eine Entscheidung heute nicht fällt, verschiebt ein Abteil im Lager sie um einige Monate, statt sie zu erzwingen.
Was am Ende bleibt, ist meistens weniger, als am Anfang befürchtet wurde. Die Kiste, die im ersten Durchgang voll wirkte, ist nach vier Wochen halb leer, weil sich beim zweiten Ansehen vieles von selbst erledigt. Diesen Abstand kann niemand abkürzen, und ein Räumtermin, der ihn einplant, verläuft ruhiger als einer, der ihn überrollt.